Kilimanjaro - ein Reisebericht

Kilimanjaro

17.8.2005 – Millennium Camp bis Mweka Gate

Der letzte Morgen im Zelt – draußen weht der Sturm, und vorsichtiges Nachsehen zeigt, dass es offenbar in der Nacht auch heftig geregnet hat. Am Gipfel des Kilimanjaro sind frische, weisse Flecken zu erkennen. Offenbar hat es dort oben in dieser Nacht geschneit, ein Aufstieg wäre heute also noch problematischer gewesen als gestern, vielleicht sogar unmöglich. Wir hatten wohl großes Glück. Auch beim letzten Frühstück gibt es noch Omlette für jedermann: die Eier waren genau abgezählt.

Nach dem Frühstück findet die am Kilimanjaro übliche Gabenverteilung statt: unsere Mitbringsel (Kleidung, Kugelschreiber und nicht mehr benötigte Ausrüstung) wird auf einen Tisch gelegt und reihum an die Träger verteilt. Alles wird gerne und dankbar genommen, egal ob frisch, gebraucht oder auch eben erst getragen. Bei der Verteilung herrscht eine strenge Hierarchie: der Guide wählt zuerst unter den besten Stücken aus, danach kommt sein Assistent an die Reihe, anschließend der Koch und zuletzt reihum die Träger. Offenbar waren die Spenden ausreichend, denn die Mannschaft singt für uns zum Dank das "Kilimanjaro"-Lied (ob mit mehr, oder mit weniger Enthusiasmus, als bei anderen Gruppen, ist danach noch Gegenstand einiger Diskussionen).

Kurz darauf erfolgt der Abstieg ins Flachland, zum Mweka-Gate. Am Kilimanjaro herrscht eine strenge Einbahnregelung bezüglich der vorhandenen Trails, wir dürfen also nicht das gleiche Gate für den Abstieg benutzen, das wir für den Aufstieg verwendet haben. Der Weg am Mweka-Trail ist an sich recht gut befestigt, es gibt Drainagen, Holzstufen, Betoninjektionen und teilweise sogar kleine Brücken mit Stahlkonstruktion. Bedingt durch die Steilheit (vom Millenium Camp aus müssen immerhin 2.200 Höhenmeter überwunden werden) und die Regenfälle der vergangenen Nacht kommt es aber trotzdem stellenweise zu regelrechten Schlammschlachten. Ich setze mich mit unserem Assistant Guide etwas von der Gruppe ab, wir überholen sogar einige der Träger (bergab verschafft ihnen die Akklimatisierung nicht so einen großen Vorteil, wie bergauf) und sind etwas mehr als zwei Stunden nach dem Abmarsch schon beim Mweka-Gate angelangt, der Rest der Gruppe kommt rund eine Stunde später. Dichter Nebel und ab der zweiten Hälfte des Weges auch zunehmend stärkerer Regen machen das Fotografieren auf dieser Etappe weitgehend unmöglich. Auch sonst war von der Landschaft auf der Mweka-Seite leider viel weniger mitzubekommen, als beim Aufstieg.

Unten am Gate wird erst einmal abgerechnet (und offenbar hätten unsere Guides gerne mehr Trinkgeld bekommen, als wir ihnen zukommen haben lassen) und das Logbuch des Nationalparks vervollständigt, danach geht es ein paar Minuten weiter zu einem kleinen Restaurant, in dem wir einen Imbiss serviert bekommen. Das Essen gestaltet sich allerdings etwas eigenwillig, da wir davor, währenddessen und auch noch einige Zeit lang danach von Jugendlichen umringt werden, die Hüte, T-Shirts, Schnitzereien und sonstige Souvenirs aller Art verkaufen (teilweise zu Mondpreisen, nach kurzem Verhandeln allerdings durchaus nicht teurer, als in den üblichen Läden in Arusha und anderswo). Nach dem Essen stellt sich heraus, dass die Straße auf den letzten Kilometern für unseren Bus unpassierbar ist (was uns zunächst als reine Ausrede erscheint, bestätigt sich kurz darauf durch Augenschein ganz eindeutig als Wahrheit). Für Fußgänger und insbesondere für Leute, die eben erst am Gipfel des Kilimanjaro gewesen sind, ist das Probelm zum Glück etwas weniger groß: rund eine Viertelstunde süäter sitzen wir bereits im Bus, der uns zurück nach Arusha ins inzwischen schon gut vertraute Hotel Impala bringt.

Im Hotel angekommen benötige ich erst einmal eine volle Stunde, um den Staub, der sich im Lauf der vergangenen sieben Tage angesammelt hat, vom Körper zu waschen. Es ist kaum zu glauben, wie hell die Haut danach wieder ist, von Sonnenbräune fast keine Spur. Beim Abendessen herrscht angenehme, fröhliche Stimmung, die Urkunden für die Gipfelbesteigung werden verteilt und alle sind guter Dinge. Ich bin ziemlich müde und gehe, nicht zuletzt wegen der frühen Weckzeit am nächsten Morgen, recht bald ins Bett, andere bleiben noch bis nach Mitternacht sitzen, was man am folgenden Tag auch relativ deutlich merken kann.